Von Christian Gottschalk
Es ist nicht die Idee an sich. Die Idee an sich ist großartig. Zwei Mannschaften, in denen nur jeweils einer den Ball anfassen darf, müssen versuchen die Pille ins Tor reinzukriegen. Dieses Prinzip eröffnet taktisch mehr Möglichkeiten als beispielsweise Tischtennis und selbst ein Spiel im Staub einer Favela mit einem alten Tennisball und Toren aus Klappmessern entwickelt eine spannendere Dynamik, als ein Kreisklassespiel der, beispielsweise, Tischtennisliga.
Auch ich selber habe in jungen Jahren Fußball gespielt und zeigte meiner Meinung nach in den Jahren 1971-1974 durchaus eine konstante Leistung. Das Problem war: Die anderen wurden besser. So wurde ich erst Verteidiger („Ich wär’ wohl Bertie Vogts!“), dann Torwart (Sepp Mayer) und schließlich Reporter (ZDF). In der Schule wurde ich leider weiterhin gezwungen Fußball zu spielen, obwohl ich innerlich meine aktive Laufbahn längst beendet hatte. Ich begann diesen Sport zu hassen.
Nun weiß ich, dass Herr Kuttenkeuler dem Sport in der Do-It-Yourself-Variante auch noch nie viel abgewinnen konnte. Seine Leidenschaft ist noch etwas abwegiger. Er reist in Regionalzügen quer durch die Republik, und nimmt dabei diverse Gefahren in Kauf: Das Bier könnte unterwegs ausgehen, Gruppen von Nazis könnten zum gleichen Spiel unterwegs sein und sich schon mal warm prügeln wollen, das Bier würde reichen, aber kurz hinter Euskirchen sind von begeisterten Fußballanhängern bereits alle Toiletten außer Betrieb gesetzt worden, das Spiel findet in Ostdeutschland statt, das Spiel findet im Ruhrgebiet statt, die Polizei verliert den Überblick und er gerät dazwischen oder aber: Im Stadion gibt es nur alkoholfreies Bier.
Er setzt also einiges an Ressourcen ein, Geld, Freizeit, Gesundheit, um seinem Verein beim Fußballspielen zuzuschauen und ihn durch das Rufen von Parolen und das Singen von Liedern zu unterstützen. Was das Ganze soll, ist mir persönlich schleierhaft, ehrlich gesagt ist mir das ganze Konzept „Fantum“ suspekt. Fantum aller Art, sei es für einen Fußballverein oder eine Musikrichtung ist doch meistens nur eine Variante des Patriotismus: Ihr blöd/wir gut, olé! Nun ist es aber auch so: Wenn nun Fahnenschwenken, Parolen rufen, Gegner verhöhnen und dazu Alkohol trinken, weil denken ja traditionell bei so was stört, offenbar zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört, dann möchte ich natürlich lieber Vereinsfahnen als Nationalflaggen sehen, dann sollen lieber Vereine als Minderheiten verhöhnt werden.
Verstehen muss ich das alles nicht. Aber irgendwie akzeptieren. Zumal ich in meinem Bekanntenkreis der einzige bin, na ja, zumindest der einzige heterosexuelle Mann, der sich überhaupt nicht für Fußball interessiert. Warum in aller Welt, mögen Sie sich fragen, liebe Leser, schreibt er dann das erste Vorwort für die Homepage von Hermann Kuttenkeuler? Weil Hermann erstens außer Fußballfan ein lieber Karaoke-Kollege, ein hervorragender Trivial-Pursiut-Gegner, ein freundlicher Trinkpartner und ein ganz lieber Kerl ist. Und weil er zweitens verdammt gute Texte schreibt. Viel Spaß auf dieser Seite. |