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31 Jan 2010 02:45:29 pm
20. Spieltag 09/10
Eintracht Frankfurt - 1.FC Köln 1:2

Bereits ganz früh an diesem Spieltag, man könnte sagen, zu nachtschlafender Uhrzeit, wurde mir etwas Entscheidendes Gewahr: Mein Wecker arbeitet gegen mich. Jeder Arbeitnehmer, der morgens seine kuschelige Ruhestätte zwecks Anreise zum Broterwerb verlassen muss, wird das jetzt für eine wenig bahnbrechende Erkenntnis halten, aber in meinem Falle verhält es sich etwas anders. Dadurch, dass meine erwerbsmäßige Kernarbeitszeit chronologisch nach dem Feierabend eines Durchschnittsbeschäftigten angesiedelt ist, kann ich mich für gewöhnlich am Luxus laben, die Funktion meines Weckers auf das stumme Präsentieren der Uhrzeit zu reduzieren, da ich so gut es geht Verabredungen zu einstelligen Tageszeiten vermeide. Einzige Ausnahme bilden hier gelegentlich Abfahrtszeiten zu Auswärtsspielen. Zu diesem Zweck nutze ich dann die eigentliche Funktion des Weckers und es fällt mir, ob der Vorfreude auf die ausstehende Fahrt, bereits beim ersten Klingeln nicht sonderlich schwer, aus den Federn zu springen. Die Weckfunktion an sich ist also, anders als beim Durchschnittsarbeitnehmer, nicht die Ursache des zwiespältigen Verhältnisses zu dem kleinen Gerät, es ist mehr die Zeit davor.
Normalerweise gehe ich ins Bett, wenn ich wirklich müde und/oder ausreichend alkoholisiert bin. Vor Auswärtsfahrten allerdings gebe ich mich stets vernünftig, verlasse Gaststätten in der Regel früh und begebe mich zeitig in Schlafposition. Vorher stelle ich mir selbstverständlich noch den Wecker, um am nächsten Morgen vor dem Aufbruch noch viel Zeit für Badezimmer und Küchentisch in petto zu haben. Aber ab dem Moment des Weckerstellens löst diese kleine Uhr Stress bei mir aus, denn ab dem Augenblick, an dem der Alarmknopf aktiviert wird, habe ich den Eindruck, dass die Zeit ab nun gegen mich läuft. Kein Mensch wird wohl unter diesem Druck einschlafen können, und so liege auch ich Stunde um Stunde hellwach im Bett und denke mir, dass ich jetzt aber mal ganz schnell wegdämmern müsste, sonst lohnt sich das bald eh nicht mehr.

Mit Fußball hat das jedenfalls nichts zu tun, daher folgt jetzt der Bogen zum Kölner Hauptbahnhof, an welchem ich mich um neun Uhr morgens, nach zwei von sieben möglichen Stunden Schlaf einfand. Dem Wochenendticket wurde zur Anreise, aus Respekt vor dem winterlichen Panoptikum auf den Straßen, gegenüber dem Pkw der Vorzug gegeben. Diese Verlief auch, inklusive eines kurzen Inermezzos auf ein paar Kölsch (guter Geschmack setzt sich eben durch) in der Universitätsstadt Gießen, angenehm und reibungslos, ebenso wie der Aufenthalt im Stadion, denn abgesehen vom überraschenden und knappen Erfolg auf dem Rasen, zeigten sich die Ordner in Frankfurt für ihre Verhältnisse ungeheuer entspannt. Der kontinuierliche flockige Niederschlag ließ wohl eine Art weihnachtlicher Milde über ihre sonst eher verhärteten Herzen kommen. Lediglich auf dem Rückweg ließ die Situation den angeblichen Entlastungszug zu einer ernsten Belastung werden, sollte dieser doch, wie es den Anschein hatte, den gesamten Gästeblock in sich Aufnehmen, obwohl der Entlastungszug schon mit der Hälfte des Aufkommens den Namen Auslastungszug verdient hätte. Bereits eine dreiviertel Stunde der Sardinenbüchsenatmosphäre ließ mich Tribut an die kurze Nacht zollen und nur dank eines kurzen Nickerchens auf der Sitzgelegenheit eines verständnisvollen Mitreisenden war es mir möglich, eine beeindruckende Ehrenrunde durch das verschneite Köln, inklusive eines seltenen Erlebnisses wie der Überquerung der Südbrücke, in vollen Zügen (man entschuldige den billigen Wortwitz) zu genießen.

Auf den Wecker werde ich in näherer Zukunft verzichten dürfen. Auf 'Entlastungszüge' dieser Art könnte ich das auch gut.

Kategorie : Interludium | Autor : hermann | Kommentare [0] | Trackbacks [0]
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